Mein 1. Tag in Stille

Mein 1. Tag in Stille

Ich bin mit meiner Morgenroutine ruhig in den Tag gestartet. Ich habe mich dafür entscheiden mein Morgenmüsli mit Früchten achtsam zu essen. Dafür habe ich mich auf meine Gartenbank gesetzt und dem Vogelgezwitscher gelauscht, den Hunden beim Spielen im Garten zugesehen und…. Moment mal! Ich habe mich zwar auf meine komplette Umgebung konzentriert, aber nicht auf das Essen selbst. Also gleich den Blick auf das Essen richten. Immer wieder lenken mich die Naturgeräusche ab, aber ich hole mich stets zurück: Das Frühstück kaue ich langsam, bewusst und konzentriere mich auf den Geschmack. Ankommen im Hier und im Jetzt. Durch das achtsame Essen schaffe ich nicht die ganze Portion.

Achtsam auf meiner Bank frühstücken

Danach verweile ich noch ein wenig auf der Gartenbank und schaue den Hunden beim Spielen zu. Einfach nur genießen und dem Vogelgezwitscher lauschen. Ich freue mich sehr über meinen Morgenstart und meine Präsenz. Dazu fällt mir das Zitat nach Buddha ein, was mich an dieser Stelle mit Freude und Glück erfüllt:

“Laufe nicht der Vergangenheit nach und verliere dich nicht in der Zukunft.
Die Vergangenheit ist nicht mehr. Die Zukunft ist noch nicht angekommen.
Das Leben ist
hier und jetzt.”

Doch im Laufe des Vormittags wird deutlich, dass sowohl ich als auch mein Mann hin und wieder vergessen, dass wir nicht sprechen wollten. Klopfzeichen, Pantomime und Ähnliches begleiten uns bei der Kommunikation. Es ist lustig und auch etwas durcheinander. Ich merke aber auch, wie anstrengend es wird. Wir schreiben uns auf kleine Zettelchen, was wir als Nächstes machen wollen. Ich merke, dass ich mich beginne zu langweilen, die Affen in meinem Kopf verrückt spielen (im Buddhismus bekannt als Monkey Mind). Uralte Kindheitserinnerungen kommen hoch, Gedanken an alte Freundschaften oder Dinge die in letzter Zeit nicht gelungen sind. Ich bin wütend darüber, dass ich mich nicht mitteilen kann. TV oder Handy kämen mir da jetzt sehr gelegen. Die eine oder andere WhatsApp Nachricht und der ein oder andere Blick aufs Handy und noch mal kurz im Internet etwas nachschauen. Mir gehen stets Gedanken durch den Kopf, was ich noch alles meinem Mann sagen wollte und mit ihm absprechen möchte, damit wir das dann alles auch zeitig organisiert bekommen, z.B. Pläne für den Garten oä. Es wird ein Durcheinander und Wirrwarr von mal reden und mal nicht, gemischt mit Klopfzeichen usw. So langsam, aber sicher schleicht sich Frustration ein, nämlich darüber, dass ich meine Pläne gar nicht einhalte. Ständig beschäftige ich mich wieder mit Aufgaben im Haushalt, die gerade noch unbedingt gemacht werden müssen. Ich merke, dass ich meinen Selbstversuch auch selbst sabortiere. Ich lege mir mit meinem unruhigen Verhalten selbst Steine in den Weg. So sollte nicht laufen, denn immerhin arbeite ich auf ein Ziel hin. Mehr Gelassenheit und Stressreduktion.

Um die Mittagszeit: Alles noch einmal auf Anfang. Ich denke nur: Das Ganze noch 3 Tage, ich hab keine Lust mehr und bringen tut es mir auch nichts. Ich glaub, dass halt ich nicht durch. Mein Mann und ich einigen uns darauf, dass wir nur noch das aller Nötigste schreiben, jeder soll sich den Tag füllen mit seinen Dingen, die er wichtig findet und achtsam sein. Medien sollten gemieden werden und Meditation sollten mehrfach Teil des Tages werden.

Mein Mann ist ein wenig im Garten und danach in der Küche. Er nutzt eine Zeit lang seine Kopfhörer, um Podcasts zu hören. Doch er möchte es auch mit mehr Stille versuchen und nimmt sie ab. Ich bin so kribbelig und unruhig, ich entscheide mich Fenster zu putzen. Und das soll was heißen. Das mag ich nämlich gar nicht und ist oft eine 2-tägige Aufgabe, weil es einfach doch etwas mehr Fenster sind. Was Positives daraus machen! Ich verbinde also meine Atmung mit dem Fensterputzen. Es gelingt mir gut, doch nach einer gewissen Zeit muss ich mir eingestehen, dass es mir nur noch schwerfällt. Also lass ich leise ein Hörbuch zum Thema achtsames Sprechen und Zuhören vom Mönch Thich Nhat Hahn laufen. Ich konzentriere mich bewusst auf meine Handlungen und die Informationen. Meine Gedanken kreisen nun nicht mehr um alle anstehenden Themen und ich merke, dass ich mich beruhige. Mir läuft nichts weg, auch wenn ich nicht spreche. Ich merke, wie sich Ruhe in mir ausbreitet. Ich entscheide mich bewusst gegen das Meditieren, weil ich mich nicht bereit fühle. Stattdessen möchte ich mir für den Rest des Tages, wenn die Unruhe wieder etwas hochkommt, folgende Affirmation zu Herzen nehmen, denn ich fühle mich durch sie gelassener und wohl:

“Du verbringst soviel Zeit in deinem Kopf,
mach ihn zu einem freundlichen Ort.”

Ruhe im Kopf durch Akzeptanz

Im Haus fällt mir auf, wieviel Lärm doch tatsächlich ist. Mein Mann, der in der Küche viele Töpfe benötigt, die klappern, das Schneiden von Gemüse und Obst, Küchengeräte, die piepen, Waschmaschine und Trockner machen Dauerlärm. Ich schließe die Tür zum HWR, um wenigstens das nicht mehr hören zu müssen. Ich bin verwundert, dass mir das im Alltag nur selten bewusst ist, denn es ist tatsächlich laut. Ich gewöhne mich langsam daran, dass weder Musik noch Hörbücher oder TV laufen. Ich kann mich besser auf die Stille einlassen. Plötzlich nehme ich Außengeräusche im Haus wahr. Hin und wieder vorbeifahrende Autos, Vogelgezwitscher, vorbeigehende Leute und das Gemurmel ihrer Unterhaltungen. Alles, obwohl Türen und sogar 3-fach verglaste Fenster geschlossen sind und wir in einer ruhigen ländlichen Gegend wohnen. Jetzt verstehe ich vollkommen was John Cage mit seiner Aussage meint, dass Stille abstrakt sei und nicht wirklich existiere. Da ist sie also: “Die Stille, die ohrenbetäubend sein kann.”Ich merke, dass sich die Sinne ein wenig umstellen und sensibilisieren. Ich höre Geräusche auch aus der Distanz, ich höre meinen eigenen Atem, jedes Bauchgrummeln und die Geräusche meiner Hunde. Interessanterweise kann ich beobachten wie die Hunde sich dem Schweigen anpassen und ihr Verhalten ändern. Sie möchten viel mehr gestreichelt werden. Unsere Hunde können auch auf Handzeichen reagieren, die nun ausschließlich zum Einsatz kommen. Mehrfach zwar, weil sie sich noch einmal vergewissern wollen, aber es klappt erstaunlich gut und die Hunde werden viel ruhiger. Mein Mann und ich kommunizieren nun auch ein wenig anders: zwischendurch ein Lächeln oder einmal über den Rücken oder die Hand streicheln als Zeichen der Aufmerksamkeit. Eine andere Form der Zuwendung rückt in den Vordergrund.

Habe nun das Gefühl, dass sich grad alles ein wenig neu in mir fügt und sortiert. Fühle mich gesettelt und erleichtert, dass ich nicht immer alle Nachrichten checken muss, auch das Gefühl von: habe ich was verpasst legt sich. Ich möchte den ersten Tag doch noch etwas anders strukturieren, denn ich hatte mir zuviele Dinge vorgenommen. Dadurch habe ich mich rastlos und unsicher gefühlt. Werde es mir zukünftig erlauben eine Nachtricht per Whatsapp zu schicken, wenn ich mich mitteilen möchte. Ich habe unterschätzt, wie Stille tatsächlich auf mich wirkt. Mir war nicht klar, dass alle möglichen Gedanken hochkommen und ich sogar auch wütend werden könnte.

Ich bin froh darüber, dass ich es doch nicht gleich aufgegeben habe und meinem Körper und meinem Geist Zeit gegeben habe sich an den Umstand zu gewöhnen. Für heute habe ich erst einmal eine Zeit gebraucht, um mich von den Medien und all den anderen Möglichkeiten, nicht ablenken zu lassen. Ich habe mich dann entschieden, zu meditieren und zu lesen. Das Thema Stille habe ich mir noch einmal genauer angesehen. Selbstverständlich war es mir wichtig meine ersten Erfahrungen festzuhalten. Ich merke, dass ich es auch zu Hause schaffen kann, ganz in die Stille zu gehen und nicht abgelenkt zu sein, wenn ich etwas Disziplin aufbringe.

Ich freue mich auf den kommenden Tag und darauf, dass ich eine längere Meditation machen möchte. Ich möchte vor allem wieder alles notieren, weil es meinen Emotionen und Gedanken beruhigt. Vielleicht hilft mir das Journaling nicht zu sprechen, weil ich so meine Erfahrungen und meine kleinen Veränderungen festhalten kann.

Ich bin einfach stolz auf mich, dass ich den Tag umstruktiert und nach meinen Bedürfnissen ausgerichtet habe und von meinem Plan abgewichen bin. Heute habe ich mir mehr auf mich hören können. Frustration ist Teil dieses Versuchs und ich habe mich schon damit abgefunden, dass es mich die Tage über eventuell hin und wieder begleiten wird. Allein diese Akzeptanz dieses Umstandes lässt mich ruhiger und gelassener werden.

Bereits nach dem heutigen Tag bin ich mir sicher, dass ich im Alltag mehr Achtsamkeit anwenden und ein vermehrtes Bewusstsein für Ruhe integrieren möchte. Mehrere kurze Ruhephasen am Tag möchte ich Teil meines Alltags werden lassen, um auch einmal einen Schritt zurücktreten zu können, damit ich verstärkt als Beobachter meiner Emotionen und Gedanken in stressigen Situationen agieren kann. Ich habe zwar die Wirkung der Ruhe unterschätzt und war mir nicht im klaren darüber, dass das Gedankenkarussel erst einmal anspringt, aber am Ende des Tages merke ich, dass ich ruhiger und gelassener bin.

Ich helfe dir, Yoga in deinen Alltag zu integrieren. Ich hole dich da ab, wo du gerade bist, um dich auf deine persönliche Reise zu dir selbst zu begleiten.

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