Stille: Wozu ist sie gut? – Yoga Spirit Podcast #1

Wer kennt es nicht? Dauerbelastung, Reizüberflutung und Stress.

Stress im Alltag, Termindruck, Emailfach voll, noch eben ganz kurz den Zusatztermin wahrnehmen, dafür aber dann das Mittagessen ausfallen lassen, dann gleich weiter zum nächsten Termin, die angeblich kurz eingeschobene Besprechung, die doch länger dauerte als ursprünglich geplant, bringt den Tagesablauf zusätzlich unter mehr Anspannung. Im Büro ist man durch Bildschirme, Handys und Internet ebenfalls unheimlich vielen Reizen und Geräuschen ausgesetzt. Zu Hause wartet das Familienleben auf einen und häusliche Arbeiten sind noch nicht erledigt. Am Ende des Tages hat man immer noch nicht das geschafft, was man sich vorgenommen hat und die Gedanken kreisen schon wieder um die zukünftigen Planungen und Tage. Du fühlst dich erschöpft, aber trotzdem getrieben, kannst nicht abschalten oder kannst in der Nacht kaum ein Auge zu machen. Eine Auszeit für dich? Vielleicht am Wochenende kurz einschieben, wenn die Sachen erledigt sind, die in der Woche liegen geblieben sind.

Ein regelrechter Boom zeichnet sich ab: Immer mehr Menschen haben das Bedürfnis nach Ruhe und Stille

Das Motto: Höher, schneller, weiter spielt in der heutigen Gesellschaft eine große Rolle. Wir sind dauerhaft von Hektik, Leistungsoptimierung oder** Leistungsgedanken sowie **Zeitdruck umgeben. Eine Reizüberflutung durch Handys, soziale Medien, TV oder auch Lärm in der Außenwelt. In Großstädten werden die Leute mit Werbung, zusätzlichem Verkehrs- oder auch Baulärm beschallt. All diese Faktoren veranlasst viele Meschen aus dem Alltag ausbrechen zu wollen. Die meisten Menschen erhoffen sich über den Urlaub die Batterien wieder aufladen zu können. Haben allerdings auch stets ihr Handy dabei und sind ständig erreichbar. Abschalten? Fehlanzeige.

Burnout oder emotionale Erschöpfung sind Krankheitsbilder, die in unserer Gesellschaft zunehmen, begleitet von Angststörungen. Sie sind in Deutschland die häufigste psychische Erkrankung. Rund 15,4% der Erwachsenen leiden unter Angstzuständen. Kein Wunder also, dass sich viele nach Stille und Ruhe sehnen. Es entwickelt sich ein regelrechter Boom im Bereich Mindfulness, Achtsamkeit, Ruhe und Stille. Es gibt mittlerweile Apps, die für Abhilfe sorgen sollen, aber auch Angebote, wie Waldbaden oder einen Aufenthalt im Kloster zu buchen. Immer mehr Menschen greifen darauf zurück, um einige Tage abschalten zu können, um danach wieder leistungsfähig zu sein. Als würde der Ort oder die anleitenden Personen dich einfach wieder reparieren können. Doch ganz so einfach ist es nicht.

Was ist Stille überhaupt?

Der Begriff Stille bezeichnet die Abwesenheit von Geräuschen jeder Art – Lautlosigkeit. Wie schon gesagt: Im Kloster praktizieren Mönche Stille. Aber man findet den bewussten Einsatz von Stille auch in anderen Bereichen. In China z.B. wird Stille während der Teezeremonie praktiziert. Dadurch, dass niemand spricht, kann keiner dominieren. Auf diese Weise kann jeder zu sich selbst finden. In China ein sehr geschätztes Ritual.

Der amerikanische Musiker und Künstler John Cage hat sich einen Namen gemacht, indem er Musik mit z.B. Gießkannen oder Rohren gemacht hat. Sein bekannteste und wohl auch kontroverseste Musikstück 4’33 besteht aus Stille also dem Nicht-Spielen von Instrumenten. Trotzdem treten Geräusche auf durch z.B. ein ungeduldiges genauso wie ein geduldiges Publikum. John Cage hatte sich in den 50er und 60er Jahren intensiv mit Stille auseinandergesetzt. Er hat den stillsten Raum auf der Welt, der sich in den USA befindet, aufgesucht. Ein vollkommen schalldichter Raum, indem er dennoch einen sehr hohen und einen tiefen Ton hören konnte. Man erklärte ihm, dass der hohe Ton von seinem Nervensystem ausginge und der tiefe Ton sein Blutrauschen in seinem Ohr sei. Somit wird deutlich, dass Stille nur ein abstrakter Begriff ist. Alles gehört zusammen, ist miteinander verbunden und zeigt die Ganzheit der Lebewesen. Stille besteht aus Geräuschen und existiert nicht wirklich.

Warum ist Stille wichtig für uns?

Stille ist allerdings enorm wichtig für uns, denn das Leben in der Natur steckt noch immer in unseren Genen. Man schätzt, dass es ca. 10.000-30.000 Jahre dauert, bis sich diese so verändern, dass wir Menschen das Leben in Großstädten mit großem Lärm als natürlich empfinden. Wir sind laut Umweltforscher für Stille gemacht. Verlieren wir den Kontakt zu unseren Sinnen und die Fähigkeit des „Deep Listening“ (die Fähigkeit des Hinhörens), so verlieren wir auch unseren Ursprung zu uns selbst.

Doch woran kann man das manifestieren? Es gibt Studien von Dr. Myazaki, die nachweisen, dass der Wald eine präventive Medizin ist. Mit Hilfe von 700 Stadtbewohnern konnte er nachweisen, dass der Kontakt mit dem Wald nicht nur die Immunabwehr gestärkt, sondern auch Stresssymptome reduziert werden. Bis zu 56% stieg die antitumorale Aktivität und eine Stressreduktion konnte eindeutig nachgewiesen werden. Geräusche beeinflussen unsere Gehirnwellen, Herzfrequenz, Atmung, Hormonausschüttung und alle körperlichen Funktionen. Geräusche beeinflussen auch unsere Emotionen. Die richtige Auswahl der Musik oder Vogelgesang wirken sich positiv aus. Im Bereich der Kognition weiß man, dass man z.B. nicht 2 Leuten gleichzeitig zuhören kann, weil das Aufnehmen von Geräuschen sehr begrenzt ist. Im Bereich des Verhaltens wird deutlich: unangenehme Geräusche lassen uns zurückweichen. Die U-Bahn in London nutzt bspw. klassische Musik, weil auf diese Weise Vandalismus reduziert wird. Autohersteller haben Soundexperten und Kaufhäuser nutzen den Zusammenhang zwischen Musik und Kaufverhalten um dieses zu steigern.

Wenn Lärm krank macht

Doch aus Geräuschen können Lärm werden und unser Gehirn identifiziert dieses als störend, wenn es arbeitet. Man muss sich bewusst machen, dass Geräusche in uns und unseren Körper hineingehen. Du kennst es bestimmt auch, wenn bei einem Konzert der Beat deinen ganzen Körper durchflutet?

Unsere ganze Welt ist viel zu laut. Sowohl in der Luft, zu Land oder auch zu Wasser – die Lärmverschmutzung ist der zweitgrößte Krankheitslast vergrößernde Umweltfaktor laut WHO. Nur noch die Luftverschmutzung kann dies übertreffen. Tiere werden durch Lärm krank oder ihre Organe werden geschädigt. Wale stranden immer wieder aufgrund von Desorientierung durch Lärm unter Wasser. Auch der Mensch ist stark betroffen, denn 50 Jahre Forschung haben gezeigt, dass Lärm (ab ca. 70 Dezibel) und hiermit ist chronischer Dauerlärm als Auslöser gemeint, verantwortlich für Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Herzinfarkte *und *Tinnitus ist. Dr. Bonzaft hat untersucht, was mit Schülern passiert, die übermäßig viel Lärm ausgesetzt sind. Sie stellte fest, dass sie in ihrer Lesekompetenz um ein Jahr zurückfallen. Haptische Erfahrungen werden aufgrund von Digitalisierung weniger und somit fehlen auch in verschiednen Bereichen wichtige Erfahrungen. Die ständige Reizüberflutung der wir ausgesetzt sind, hindert uns daran unsere Gedanken zu reflektieren, weil einfach der Raum dafür fehlt. Online Kommunikation ist eher oberflächlich und das einfache Leben lässt den modernen Menschen nicht selten unbeeindruckt.

Eine geräuschärmere ausgeglichenere Welt

Die Menschen nehmen Stille oft als unheimlich wahr, Lärm wird als Ablenkung genutzt. Stille hilft uns aber über Bewusstheit und Wahrheit im Klaren zu sein. Stille konfrontiert uns mit uns selbst und der Realität, die nicht durch einen Instafilter gezogen und aufgehübscht ist. Viele Menschen empfinden eine Leere, die sie füllen wollen, was sie unentwegt suchen lässt. In der heutigen Zeit ist es wichtiger denn je, sich der Umgebung anzupassen als andersherum. Wir müssen wieder lernen, das Stille etwas Natürliches ist, lernen mit der Natur zu leben und Stille als eine Kraftquelle nutzen.

“Stille ist Deine wahre Natur. Was ist Stille?
Der innere Raum von Bewusstsein, in dem diese Worte wahrgenommen und zu Gedanken werden. Ohne dieses Bewusstsein würde es keine Wahrnehmung, keine Gedanken, keine Welt geben.
Du bist dieses Bewusstsein in Gestalt deiner Person.”

Eckhart Tolle

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Ich helfe dir, Yoga in deinen Alltag zu integrieren. Ich hole dich da ab, wo du gerade bist, um dich auf deine persönliche Reise zu dir selbst zu begleiten.

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